IG Unser Dorf Zweifall

 

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  Zweifall  (Frühe Zeugnisse: Försterrenten der Wehrmeisterei, ohne Datum, up dem Zwivel der hammer; Bruderschaftsbuch der Pfarrkirche Kornelimünster [1423-1552] u.a. Peter van der Tzwivel, Thomis Brower up dem Tzwivell; a. 1516 der Zwyuell )

 

Zweifall liegt im Tal der Vicht, wo sie von rechts die Hassel (in topographischen Karten „Hasselbach“) aufnimmt und der Talboden sich verbreitert. Hier kreuzt die talabwärts verlaufende Straße von Roetgen /Rott nach Stolberg und Gressenich mit der von der Höhe von Raffelsbrand kommenden, quer zur Flussrichtung nach Breinig und Kornelimünster führenden.

Der Ort übergriff seit seinen Anfängen spätmittelalterliche Territorialgrenzen, insofern das Gebiet links der Vicht zur reichsunmittelbaren Fürstabtei Kornelimünster, rechts der Vicht zum Herzogtum  Jülich gehörte, wobei links der Hassel das Jülicher Amt Monjoye, rechts das Jülicher Amt Wehrmeisterei lag, jedoch beide eigene Rechtsgebiete. Er verdankt seine Entstehung der Eisenverhüttung und -verarbeitung, wie sie in der gleichen Epoche auch in den Tälern von Rur und Kall zu beobachten ist (vgl. z.B. Hammer, Pleushütte, Simonskall). Die Nichtbeachtung der Grenzen zeigt, wie das wirtschaftliche Interesse die Anlagen bestimmt hat und nicht die Rücksichtnahme auf Grenzen, ein Hinweis auf die Entstehung in der vormodernen, vorstaatlichen Zeit.  Die Annahme jedoch der Anfänge Zweifalls schon zum Ende des 13. Jahrhunderts, wie in der Literatur verbreitet, ist höchst fraglich und wird hier aus folgenden Gründen nicht weitergegeben:

1. Die Argumentation stützt sich auf das Weistum der Wehrmeisterei in der Ausgabe von Ritz (1824). Nicht nur ist dessen Datierung der Überlieferung anzuzweifeln, weitere Editionen nach anderen Überlieferungen zeigen, dass die erhaltenen Versionen aus Textstücken verschiedenen Alters zusammengesetzt sind. Der Abschnitt Dit synt die Inkomende Renthen der vorsteren, der den Beleg up dem Zwivel der hammer enthält, ist mit Sicherheit jünger als das Weistum und fehlt in anderen  Überlieferungen und Editionen.

2. Die Verlagerung der Verhüttung und Bearbeitung von Eisen in die Täler und Nutzung der Wasserkraft erfolgte allgemein von der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts an. Im Bereich Schleiden sind die technischen Neuerungen etwa um die Mitte des 15. Jahrhunderts anzunehmen. Wenn in der wichtigen Tauschurkunde von 1361, mit der Herzog Wilhelm II. von Jülich und Reinhard von Schönau/Schönforst den Tausch der Länder Kaster und Monschau besiegelten, die die Schönforster Pfandherrschaft in Monschau begründete und die deshalb alles Monschauer    Zubehör auflistet, der „Industriestandort“ Zweifall jedoch nicht aufgezählt ist, dann dürfte er schwerlich schon bestanden haben.

 

Historische Karte von Zweifall

Situationsplan

 

Die Anfänge von Zweifall sind daher eher für das ausgehende 14. oder beginnende 15. Jahrhundert anzunehmen. Von der großen Zahl der Hämmer und Mühlenwerke an Vicht und Hassel zeugen viele Flur- und Stellenbezeichnungen über spätere Schriftquellen hinaus. Von vielen Anlagen ist heute nichts mehr zu sehen, anders als bei den größeren und in der frühen Neuzeit modernisierten Werken Junkershammer, Klapperhammer, Plattenhammer und Neuenhammer, diese auf dem Gebiet der Wehrmeisterei. Dazu kamen mehrere Schleifmühlen, Papiermühlen und eine Kupfermühle, aber auch Mahl- und Ölmühlen. Neben Roheisen und Schmiedeisen wurden auch Fertigprodukte hergestellt: Öfen, Takenplatten, Ketten, Draht, Nägel, Geschützkugeln usw. Einen Aufschwung erlebten die Zweifaller Werke im 17. Jahrhundert, als die Familie Hoesch / Heusch auch hier unternehmerisch tätig war (vgl. Eicherscheid, Pleushütte, Zweifallshammer). Eine weitere Blütezeit kam mit der Zeit der napoleonischen Wirtschaftspolitik während der Zugehörigkeit des Rheinlands zu Frankreich.       

Der in der Umgebung anstehende Eisenstein ist schon in römischer Zeit an Ort und Stelle verhüttet worden (z.B. im Tal der Wehe), doch besteht an keinem der römerzeitlichen Hüttenplätze eine Verbindung ins Mittelalter.

In der mit vielen sagenhaften Elementen durchsetzten „Copia“ des Reichensteiner Protokollbuches wird der Ortsname mit dem Appellativ ‚Zweifel‘ erklärt, weil wegen

der Grenzsituation und Verlegung von Wasserläufen die Zuordnung der Stauwerke zum Antrieb der Hämmer nicht eindeutig gewesen sei. Diese Deutung ist nicht von der Hand zu weisen, jedenfalls entspricht der Name in der Mundart exakt dem Appellativ und führt auch dessen maskulines Genus.  

Laut Landrecht von 1516 war Zweifall der Bannmühle in der Kall zugewiesen; doch konnten Rott, Mulartshütte und Zweifall dank einer Erlaubnis von 1661 eine ersatzweise in Zweifall eingerichtete Bannmühle nutzen, wahrscheinlich die von Hoesch betriebene Kirchenmühle. Die Mahlmühle auf der Klapper lag im „Ausland“ der Wehrmeisterei und kam als Bannmühle nicht in Frage.

Dass in Zweifall eine unternehmerische, wenig bäuerlich geprägte Bevölkerung dominierte, zeigt sich auch auf kirchlich-konfessionellem Gebiet. Die Zweifaller waren die ersten im Monschauer Land, die auf eigene Initiative 1521 eine Kirche   fertiggestellt hatten, deren Einrichtung im Nachhinein (1522) vom Aachener Marienstift genehmigt wurde. Taufe und Ehespendung verblieben bei der Pfarrkirche Konzen. Nach dem Zeugnis der Visitation von 1559 war wenig später Simmerath als Pfarrkirche zuständig. Die Erhebung zur selbständigen Pfarre erfolgte 1804 im Rahmen des neukonstituierten ersten Bistums Aachen. Ein Kirchenneubau wurde 1852 geweiht (St. Rochus), der 1962-64 um ein neues Langhaus erweitert wurde.

Vor allem die im Textil- und Eisengewerbe unternehmerisch tätige Bevölkerung und der niedere Verwaltungsadel zeigten sich vielerorts im Amt der reformatorischen Bewegung gegenüber aufgeschlossen; 1575 bildete sich in Zweifall als Abzweig von Stolberg eine lutherische Gemeinde und baute eine Kapelle. Die neue Lehre hatte aber schon viel früher Fuß gefasst. Ihre Anhänger sollen die 1521 errichtete Kirche an sich genommen haben, wogegen der streng altgläubige Amtmann von Rolshausen d.Ä. eingeschritten sein soll. Als dann 1609 im Jülicher Erbfolgestreit Brandenburg das Amt besetzte und der 1611 eingesetzte Amtmann Oberst von Kettler wie sein Landesherr die Reformierten förderte, erhielten diese die Zweifaller Kirche; wie in Monschau wurden Altgläubige und Lutherische vertrieben. Die spanische Eroberung des Amtes 1622 brachte dann gewaltsame Unterdrückung protestantischer Gemeinden, bis im Religionsvergleich von 1672 die lutherischen Gemeinden von Zweifall und Menzerath (Imgenbroich und Monschau) anerkannt wurden. Anders als bei der katholischen Gemeinde kümmerte man sich bei der lutherischen deutlich früher um einen ordentlichen Schulunterricht: 1688 wurde ein Schulhaus neben dem Pastorat eingerichtet, von 1718 an sind kontinuierlich Lehrpersonen bezeugt.        

Nach der preußischen Kommunalordnung von 1816 bildeten die Gemeinden Zweifall, Mulartshütte und Lammersdorf eine Bürgermeisterei mit Sitz in Lammersdorf. 1850 kam Lammersdorf als Gemeinde zur Samtgemeinde / Bürgermeisterei Simmerath, die Spezialgemeinde Mulartshütte wurde mit Zweifall zu einer Gemeinde vereinigt. Die alte Grenzsituation wirkte noch bis 1884 nach, insofern die zur Kreisgrenze gewordene Vicht eine zweigeteilte Finanzverwaltung von Zweifall bewirkte. Durch die Kommunalreform von 1972 mit der Auflösung des Landkreises Monschau wurde Zweifall (ohne Mulartshütte) der Gemeinde Stolberg zugeordnet.

Nach der Einnahme von Roetgen durch amerikanische Einheiten am 12. September 1944 rückten die Amerikaner zügig entlang der Vicht über Rott vor und erreichten zwei Tage später Zweifall. Das Dorf war am 12. September evakuiert worden, wobei sich jedoch der überwiegende Teil der Bewohner in den nahen Wäldern aufhielt, von wo die meisten noch am gleichen Tag zurückkehren konnten. Die größten Schäden waren am 13. September durch die deutschen Brückensprengungen verursacht worden. Durch den nachfolgenden Halt des amerikanischen Vormarsches geriet Zweifall in eine rückwärtige Stellung der nun beginnenden Schlacht im Hürtgenwald und wurde Stabsquartier verschiedener US-Divisionen (u.a. Besuch von General George Marshall, 11. Oktober 1944).

In den Jahren 1954/55 entstand, abseits vom Ortskern am Waldrand ein Karmelitinnen-Kloster „Maria-Regina“ als Ableger des Dürener Karmel.

Aus Zweifall stammt höchstwahrscheinlich der Mathematiker, Musiktheoretiker und Drucker Dietrich Tzwivel, der in Münster/Westfalen wirkte. Als seine bekannteste Arbeit gilt die Erneuerung der astronomischen Uhr im Dom zu Münster 1540 nach den Zerstörungen der Täuferherrschaft.

Gaststätte Drilling um 1892, entstanden beim Besuch der Belgischen Königin

Gasthof zum Walde

 

Kirche (links alt, rechts innen Mittelschiff)

 

Weiteres: s. Mulartshütte, Rott

Literatur: Zweifall. Wald- und Grenzdorf im Vichttal. Als 2. erweiterte Auflage des Zweifaller Heimatbuches von J. Bendel im Auftrage der Gemeinde Zweifall neu bearb. u. hg. v. H. Koch unter Mitarbeit von E. Bieroth, G. Hörnig, W. Kleingarn, W. Nerlich und M. Pemper, Zweifall 1968; B. Läufer: Nachrichten der merkwürdigsten Begebenheiten. Chronik der Gemeinden Lammersdorf, Zweifall und Mulartshütte, Monschau-Aachen 2006 (= Beiträge zur Geschichte des Monschauer Landes. 7); H. Schreiber – K. Schreiber: Die Hammerwerke des oberen Vichttales und ihre wirtschaftlichen Grundlagen, in: Vicht. Beiträge zur Heimatgeschichte. Teil 3, hg. vom Chronik-Kreis der Pfarrgemeinde St. Johann Baptist zu Stolberg-Vicht, o. J. [1993], S. 57-401  

 

Weiteres: s. Mulartshütte, Rott

Literatur: Zweifall. Wald- und Grenzdorf im Vichttal. Als 2. erweiterte Auflage des Zweifaller Heimatbuches von J. Bendel im Auftrage der Gemeinde Zweifall neu bearb. u. hg. v. H. Koch unter Mitarbeit von E. Bieroth, G. Hörnig, W. Kleingarn, W. Nerlich und M. Pemper, Zweifall 1968; B. Läufer: Nachrichten der merkwürdigsten Begebenheiten. Chronik der Gemeinden Lammersdorf, Zweifall und Mulartshütte, Monschau-Aachen 2006 (= Beiträge zur Geschichte des Monschauer Landes. 7); H. Schreiber – K. Schreiber: Die Hammerwerke des oberen Vichttales und ihre wirtschaftlichen Grundlagen, in: Vicht. Beiträge zur Heimatgeschichte. Teil 3, hg. vom Chronik-Kreis der Pfarrgemeinde St. Johann Baptist zu Stolberg-Vicht, o. J. [1993], S. 57-401  

 

Weitere Literatur über Zweifall bzw. Zweifall in der Literatur (Stand Mai 2018) 

Wo findet man was über Zweifall? (Kein Anspruch auf Vollständigkeit!)

 Das Dorf Zweifall im Vichttale

von Johann Bendel 1922

 Nachdruck 2013 im Selbstverlag durch Albert Willems

 

ZWEIFALL Wald- und Grenzdorf im Vichttal Hrsg. Dr. Heinrich Koch i. A. der Gemeinde Zweifall 1968 Das Buch kostet 9 € bei Selbstabholung und ist erhältlich:

Sparkasse Aachen, Zweigst. Zweifall während den Öffnungszeiten;

Museumssägewerk Zweifall, Jägerhausstr. 148, während den Öffnungszeiten

Hotel zum Walde, Klosterstr. 4 an der Rezeption

Geschichtsverein des Monschauer Landes e. V. www.gv-mon.de

 

Nachrichten  der merkwürdigen Begebenheiten Chronik der Gemeinden Lammersdorf, Zweifall und Mulartshütte 1813 bis 1851 von Dr. Bernd Läufer Hrsg. 2006 Geschichtsverein des Monschauer Landes e.V. im Helios-Verlag

Geschichtsverein der Monschauer Landes e.V. www.gv-mon.de

 

Familienbuch Sankt Rochus Zweifall von Willi Dobern 1992

 

Bericht über den Orgelbau in der kath. Kirche Zweifall in Angermunder Geschichtsbücher Bd. 2 Leben und Werke Angermunder Orgelbauer von Elmar Ohst 2014 im Eigenverlag

 

Kath. Kirchengemeinde St. Rochus Zweifall in Die katholische Kirche im Monschauer Land

von Herbert Arens Einhard Verlag Aachen 2016

 

Zweifall 1944/ 45 in Schicksale zwischen den Fronten

von Dr. Adolf Hohenstein Hrsg. WEISS-Druck + Verlag, Monschau 1982

 

Chronik der ev. Kirchengemeinde Zweifall 1575-1934

Hrsg. von Helmut Trümpener/ ev. Kirchengemeinde 1987

 

Zweifaller Geschichte – z. B. über die Mühle und den Straßenbau

in Mulartshütte im Wandel der Zeiten von Paul M. Kirch

Hrsg. Bürgerverein Mulartshütte e.V. 1990

 

Zweifaller Geschichte – z.B. Förster Storb in 500 Jahre Rott 1503-2003

von Rainer Hülsheger Heimatblätter des Kreises Aachen

 

Zweifaller Schichten und Bruchsteinhäuser in Zweifall in STEINreiche EIFEL

von Karl-Heinz Schumacher und Walter Müller GDMB-Verlag 2015

 

Das Monschauer Land, Jahrbuch 1985 Straßenbahn nach Zweifall

von Henning Wall, Aachen

 

Das Monschauer Land, Jahrbuch 1986 Das Karmelitinnenkloster in Zweifall

von Georg Hillemanns, Vicht

 

Das Monschauer Land, Jahrbuch 2016 Zweifall – Ein Dorf sucht eine neue Identität

von Dr. Michael Koch erhältlich beim Geschichtsverein Monschauer Land e.V. www.gv-mon.de

 

Das Monschauer Land, Jahrbuch 2018 An Zweifaller Bächen in den 1930er und 1940er Jahren

von Louis Schuster/ Rita Stoff

erhältlich beim Geschichtsverein Monschauer Land e.V. www.gv-mon.de

 

Die Fotosammlung der Brüder Alfred und Herbert Teutenberg befindet sich seit

2014 im Archiv des Monschauer Geschichtsvereins und wird ständig ergänzt (Rita Stoff und

Albert Willems) Nach Voranmeldung unter archiv@gv.mon.de  kann die Sammlung im Archiv in Monschau, Holzmarkt 5, eingesehen werden.

 

Alle bisher dem Geschichtskreis überlassene Totenzettel sind in der Totenzettel-Datenbank erfasst:

www.wgff.de/ aachen/ totenzettel.htm. Die Originale werden z.T. im Archiv des Monschauer Geschichtsvereins aufbewahrt.

 

Unterlagen der Zivilgemeinde bis ca. 1850 finden sich im Archiv der Gemeinde Simmerath

 

Die Schulchroniken der kath. und der ev. Schulen in Zweifall incl. den Schülerlisten lagern im Archiv des Monschauer Geschichtsvereins.

 

 

Diese Liste wird fortgeführt

 

http://www.besucherzaehler-homepage.de/